Einsatz in Pocking am 14. Juli 2009

Am 14. Juli 2009 gegen 15:50 Uhr alarmierte die Rettungsleitstelle Passau die Wasserwachten Vilshofen, Passau-Stadt, Pocking, Bad Griesbach und den Einsatzleiter Wasserrettungsdienst mit der Einsatzmeldung: "Vermisste Person in Baggersee". Eine Frau war abgängig. Nach kurzer Suche wurde die Frau von einem Rettungstaucher am Grund des See entdeckt. Leider konnte sie nur noch tot geborgen werden.

ARTIKEL PNP
vom 15.07.2009


Badeunfall am Kiesweiher - Frau ertrinkt
51-Jährige Pockingerin gestern in Schlupfing 20 Meter vom Ufer untergegangen - Leiche von Tauchern geborgen


In die Boote: Die Feuerwehrleute aus Pocking und Indling sind als Erste vor Ort. Auch Zuschauer haben sich an der Unglücksstelle versammelt. Sie werden aber, als die Tote geborgen wird, von der Feuerwehr weggeschickt. (Foto: Brunner/PNP)


Taucher sind im Einsatz, um die tödlich verunglückte Frau zu bergen. Der Baggersee ist zwischen vier und sechs Meter tief. Foto: Brunner/PNP)


Ein Großaufgebot an Rettungskräften ist vor Ort: Rotes Kreuz, Wasserwacht, DLRG und Polizei. Doch die Helfer können nichts mehr tun. Foto: Brunner/PNP)

Von Bernhard Brunner
Pocking. Erschütternde Szenen gestern Nachmittag am Schlupfinger Baggerweiher: Eine 50-jährige Pockingerin ist gegen 15.30 Uhr beim Schwimmen in dem kleinen See, nur 20 Meter vom Ufer entfernt, plötzlich untergegangen. Ihr um ein Jahr älterer Ehemann, der den Weiher gerade durchquert hatte, rief sofort andere Badende um Hilfe und verständigte schließlich die Polizei, die ein großes Rettungsaufgebot in Gang setzte - jedoch vergebens. Um 16.45 Uhr entdeckte ein Taucher der Wasserwacht die leblose Frau, bei der ein Notarzt nur noch „Tod durch Ertrinken“ feststellen konnte.
Wie ein Beamter der Polizeistation Pocking am Unglücksort mitteilte, wollte das erst seit etwa einem Jahr verheiratete Paar nach Angaben des Ehemanns von einem Ufer des maximal vier bis sechs Meter tiefen Gewässers, an dem Baden offiziell verboten ist, zum anderen schwimmen. Ursula M. - sie stammte aus Polen und arbeitete als Raumpflegerin - habe etwa in der Mitte dem 51-Jährigen signalisiert, dass sie umkehre. Er habe sich dann noch ein paar Mal nach ihr umgesehen, dann sei sie ohne irgendwelche Anzeichen verschwunden, hieß es.
Zunächst setzten die Feuerwehren Pocking und Indling ihr Schlauch- beziehungsweise Rettungsboot ein und ruderten über den Weiher, um mit Schlepptauen die untergegangene Person aufzuspüren - ohne Erfolg. Nach und nach trafen Wasserwachts-Gruppen mit Tauchern aus Pocking, Bad Griesbach, Vilshofen und Passau sowie Kräfte der DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) ein. Sie ließen ein Motorboot zu Wasser, das jedoch nicht mehr zum Einsatz kam.
Auch ein bereits aus München im Anflug befindlicher Polizeihubschrauber wurde zurückbeordert, nachdem der erste Taucher der Wasserwacht Passau innerhalb weniger Minuten auf die Leiche gestoßen war. Sie befand sich ziemlich genau an der Stelle, die der stark geschockte Ehemann als den Untergangsort beschrieben hatte.
Vor der Bergung verscheuchten die Einsatzkräfte einige Schaulustige, brachten die Ertrunkene hinter ein Fahrzeug und schirmten sie mit Decken gegen neugierige Blicke ab, so dass die herbeigeeilten Angehörigen, betreut durch BRK-Leute, von der Frau Abschied nehmen konnten. Vorsorglich brachten Sanitäter des Roten Kreuzes den völlig in Tränen aufgelösten Ehemann der Toten in das Krankenhaus Rotthalmünster.
Vor Ort waren auch Kreisbrandinspektor Peter Högl und Pockings Bürgermeister Franz Krah. Verständigt wurde darüber hinaus ein Notfallseelsorger, um den Verwandten der tödlich Verunglückten und auch den Rettern geistigen Beistand zu leisten.

 

ARTIKEL PNP
vom 16.07.2009

Warum Passauer Rettungstaucher die Ertrunkene bergen mussten
Pockinger Wasserwacht hat keine eigenen Froschmänner - Obduktion: Frau war schwer krank - Griesbacher Helfer bei Anfahrt in Unfall verwickelt


Keine Hoffnung auf Rettung: Die ehrenamtlichen Helfer der Wasserwachten aus Passau und Vilshofen erledigen in Schlupfing eine traurige Aufgabe. Froschmann Paul Salomon (im Wasser) findet die Frauenleiche am Grund des Baggerweihers. Passaus Wasserwacht-Ortsgruppen-Chef Oliver Geier (stehend im Boot) beobachtet den Einsatz. Foto: Brunner/PNP)

Von Reinhard Wilhelm und Bernhard Brunner
Pocking. Ein Rettungstaucher der Schnelleinsatz-Gruppe der Wasserwacht Passau hat die am Dienstagnachmittag im Schlupfinger Kiesweiher ertrunkene Pockingerin geborgen. Ganz abgesehen davon, dass die 50-Jährige - sie war laut Obduktionsergebnis schwer lungenkrank und hätte keinen Sport treiben dürfen - auch bei einem schnelleren Eingreifen nicht überlebt hätte, bleibt die Frage, wo die Kräfte vor Ort waren und warum deren Kollegen von auswärts anrücken mussten.

Taucher Paul Salomon (51/freiberuflicher Elektro-Ingenieur) hatte die verunglückte Frau nach nur fünf Minuten Suche am Grund des knapp sechs Meter tiefen Baggersees entdeckt und mit Hilfe seiner Kameraden geborgen - freilich nur noch tot. Hätte der Frau geholfen werden können, wenn die Lebensretter rascher in Schlupfing gewesen wären? „Nein“, sagt Andreas Dietz (39) aus Passau. Beim Alarm sei dies schon klar gewesen, so der Technische Leiter der Wasserwachten Bayerns, der bei dem Einsatz in Schlupfing dabei war.

Laut Dietz hätte die Frau wohl eine Chance gehabt, wenn es ein überwachter Badesee gewesen wäre und die Wasserwacht vor Ort umgehend hätte eingreifen
können. Auch wenn die Passauer vom Zeitpunkt der Alarmierung nur etwa eine halbe Stunde benötigten, um den Baggersee zu erreichen: Sie wussten, dass sie
ihren ureigensten Auftrag, Leben zu retten, wohl nicht mehr würden erfüllen können.
Der Alarm war über die Rettungsleitstelle ausgelöst worden. Michael Sperlein aus Vilshofen, einer der Wasserrettungs-Leiter im Kreisverband, übernahm die
Organisation, machte die Schnell-Einsatzgruppen im Kreis mobil.Da die Wasserwacht-Ortsgruppe Pocking aktuell über keinen Rettungstaucher verfügt, im vorliegenden Fall aber Taucher und deren Equipment benötigt wurden, machten sich von Passau, Vilshofen und Bad Griesbach entsprechende Trupps auf den Weg. Während die Passauer und die Vilshofener den Einsatzort rasch erreichten, hatten die Rettungskräfte aus Bad Griesbach Pech. Sie wurden bei der Anfahrt in Pocking in einen Verkehrsunfall verwickelt. Mit eingeschaltetem Martinshorn und Blaulicht waren die Wasserwachtler aus der Kurstadt in der Hartkirchener Straße langsam an den vor der Ampel wartenden Autos vorbeigefahren, als laut Polizei plötzlich eine 28-jährige Frau mit ihrem Hyundai nach links in eine Grundstückseinfahrt abbog. Bei dem Zusammenstoß wurde niemand verletzt, der Schaden beträgt insgesamt rund 3500 Euro. Die Einsatzkräfte, die für ihre beiden beruflich verhinderten, aber bereits verständigten Taucher Ausrüstung mitführten, stiegen in ein anderes Wasserwacht-Auto um und kamen doch noch zum Schauplatz des tragischen Geschehens - ebenso wie Pockinger Rettungsschwimmer, die irrtümlich zum Hartkirchener See geeilt waren.
„Unglücksfälle dieser Art häufen sich leider in letzter Zeit. Die Leute sind in den meisten Fällen keine gut ausgebildeten Schwimmer, sind gesundheitlich angeschlagen und gehen trotzdem in ihnen unbekannte und nicht gesicherte Gewässer“, bedauert Andreas Dietz. Dass er mit dieser Einschätzung richtig liegt, hat die Obduktion bei der Gerichtsmedizin in München ergeben - von der Staatsanwaltschaft Passau angeordnet, weil niemand gesehen hatte, wie die 50-Jährige unterging. „Die Frau hatte eine schwere Lungenerkrankung und erlitt einen Erschöpfungszustand, sie hat sich überanstrengt“, berichtet Stefan Steinleitner, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern in Straubing. Sind Lebensretter vor Ort, hat der Verunglückte auch eine Chance, dem nassen Tod zu entkommen. Vor einem Jahr erst rettete die Pockinger Wasserwacht einen Menschen aus dem Badesee an der B 12 vor dem Ertrinken. Der Schlupfinger Baggerweiher aber ist kein öffentlicher Badesee und daher nicht überwacht.

Eine durchgehende Badeaufsicht ist jedoch auch am Pockinger Naturbadesee und am Hartkirchener Badesee nicht gewährleistet, wie Christian Hanusch, geschäftsleitender Beamter der Stadt, unterstreicht. Für beide Seen gilt: Baden auf eigene Gefahr - „darauf wird an den Eingängen hingewiesen“. Nur wenn Eintritt verlangt würde, müsste Aufsichtspersonal ständig vor Ort sein. So erledigen dies sporadisch in Pocking Ehrenamtliche der Wasserwacht, wie Hanusch hinzufügt. In Hartkirchen hingegen existiert nach seinen Worten keine aktive Wasserwacht mehr.